Effizienter Waldumbau: Strategien für klimaresiliente und wirtschaftlich tragfähige Forstsysteme

Die Umstrukturierung monokultureller Nadelwaldbestände hin zu strukturreichen, klimatoleranten Mischwäldern gilt als eine der zentralen forstlichen Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel (vgl. BMEL, 2023). Dabei stehen sowohl die Pflanzung standortgerechter Baumarten als auch die Förderung der Naturverjüngung im Fokus.

Pflanzung: Hoher Steuerungsgrad bei erhöhtem Pflegeaufwand

Die künstliche Begründung von Beständen über Pflanzung erlaubt eine gezielte Auswahl angepasster Genetik und Baumartenkombinationen. Sie ist jedoch in den ersten fünf Jahren mit erheblichem Pflegeaufwand verbunden, insbesondere im Bereich der Konkurrenzkontrolle durch Ausmäharbeiten (vgl. Kurth & Wagner, 2020). Dabei ist Licht die limitierende Ressource, insbesondere bei konkurrenzschwachen Jungpflanzen. In der Praxis sind je nach Standort zwei Freischnitte pro Vegetationsperiode erforderlich.

Mechanisierte Pflanzverfahren – etwa die Baggerbohrmethode mit kombinierter Bodenlockerung und punktueller Pflanzung von Großpflanzen – reduzieren den Pflegeaufwand signifikant und verbessern gleichzeitig die Standortbedingungen für die Wurzelentwicklung (vgl. LWF-Bericht Nr. 86, 2022).

Wildschadensprävention und Flächenstruktur

Offene Pflanzflächen fördern Wildwechsel und sind besonders anfällig für Verbiss- und Fegeschäden. Der Verzicht auf großflächige Freistellung und das sogenannte „Auskesseln“ – also das selektive Freihalten einzelner Pflanzen – bietet eine praxisbewährte Alternative, um die Attraktivität für Wildtiere zu senken (vgl. DVO-Jagdrecht Bayern, 2021). Gleichzeitig entstehen positive Mikroklimaeffekte für die Pflanzen (höhere Luftfeuchtigkeit, weniger Temperaturschwankungen).

Naturverjüngung: Günstig, aber weniger steuerbar

Naturverjüngung gilt zwar als kostengünstigste Variante des Waldumbaus, bringt jedoch Herausforderungen mit sich: Die genetische Qualität ist unkontrolliert, die Herkunft des Saatgutes hängt von Zufallseinträgen (Wind, Vögel) ab. Zudem wachsen viele Verjüngungskomplexe zu dicht, was zu Problemen bei der späteren Holzernte und Pflege führt (vgl. AFZ-DerWald 19/2021).

Ein vernachlässigter Pflegeeingriff kann dazu führen, dass aus der Naturverjüngung hervorgegangene Bestände „wie Haare auf dem Hund“ stehen – zu eng und kaum maschinell bearbeitbar (vgl. Jäger et al., 2022).

Fazit

Waldumbau ist kein Selbstläufer. Er erfordert eine differenzierte Strategie, die standortangepasste Pflanzung, Pflegekonzepte, Wildschadensprävention und gegebenenfalls gezielte Förderung der Naturverjüngung kombiniert. Nur so entstehen klimaresiliente, multifunktionale und wirtschaftlich nutzbare Wälder der Zukunft.


Quellen:

  • BMEL (2023): Waldstrategie 2050 – Klimaanpassung und Biodiversität im Fokus. Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.
  • Kurth, R., Wagner, M. (2020): Pflegeaufwand in forstlichen Kulturen – Ein Überblick. Forstarchiv 91(3), S. 112–120.
  • LWF (2022): Baggerbohrverfahren im Waldumbau – Chancen und Grenzen. LWF-Bericht Nr. 86, Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft.
  • DVO-Jagdrecht Bayern (2021): Richtlinien zur Kultur- und Wildschadensprävention im Staatswald.
  • AFZ-DerWald (2021): Naturverjüngung unter Klimadruck – Segen oder Risiko? Ausgabe 19/2021.
  • Jäger, B. et al. (2022): Pflanzstrategien im Waldumbau – Praxisbeispiele aus Süddeutschland. Forstpraxis kompakt.

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