Manchmal sind es nicht die Jagdwaffe oder der Schuss, die zählen. Manchmal ist es der Moment. Die Stille. Der Blickkontakt mit einem Tier, das so tief mit dem Gebirge verwurzelt ist wie der Fels selbst. Dieses Erlebnis durfte ich auf einer unbewaffneten Pirsch auf einen Steinbock machen – ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde.
Der Aufstieg: 500 Höhenmeter zum Abenteuer
Der Tag begann mit einer Ahnung – ich wusste, irgendwo dort oben, im felsigen Gelände neben dem rauschenden Wasserfall, könnte er sein. Der Steinbock. Ich machte mich auf den Weg, durch dichtes Grün, über schroffe Steine, immer höher, immer wachsamer. Rund 500 Höhenmeter galt es zu überwinden, teils weglos, teils auf Wildwechseln, immer auf leisen Sohlen. Jeder Schritt musste sitzen. Kein Ast durfte knacken, kein Tritt verraten, dass ich mich näherte.

Die Entdeckung: Ein Punkt im Fels
Dann, plötzlich, ein Schatten auf dem Felsvorsprung. Ich blieb stehen, das Fernglas bestätigte, was mein Bauchgefühl schon ahnte – ein Steinbock! Majestätisch thronte er über dem Tal, ganz nah am Wasserfall. Gut getarnt durch sein braunes Sommerfell und die strukturierte Umgebung war er schwer auszumachen – doch da war er, etwa 300 Meter entfernt.
Die Pirsch: Zentimeter für Zentimeter
Jetzt hieß es: absolute Ruhe. Ich pirschte mich langsam voran, immer das Tier im Blick, immer mit dem Wind. Meter für Meter gewann ich an Nähe, geschützt durch das Gelände und die Vegetation. Es war fast wie ein Tanz mit dem Berg. Schließlich gelang mir das Unglaubliche – ich war auf etwa 30 Meter an den Steinbock herangekommen. Er bemerkte mich zwar, zeigte aber keine Scheu. Wir hielten Blickkontakt. Ein stilles Einverständnis.

Der Moment: Natur pur
In dieser Distanz konnte ich drei Fotos machen, die für mich mehr sind als nur Bilder – sie sind Trophäen eines ganz besonderen Moments. Kein Gewehr, keine Jagd – nur Geduld, Respekt und die Natur. Das Tier verschwand schließlich ruhig in den Hang, ohne Hast, ohne Stress.
Fazit: Der Berg zeigt, was er will
Diese Pirsch war für mich mehr als eine körperliche Leistung. Sie war eine Erinnerung daran, wie intensiv Naturbegegnungen sein können, wenn man sich Zeit nimmt. Der Steinbock, Symbol für Wildheit und Freiheit, hat mir einen kostbaren Moment geschenkt – und ich durfte ihn in Bildern festhalten.
